Die Leichtigkeit des Seins

Jetzt beginnt wieder die Veranstaltungszeit und wenn man so auf die Titel der unzähligen Messen und Tagungen achtet, hat heute vieles mit dem Thema „Leichtbau“ zu tun, alles muss „leichter“ werden – also ich auf jeden Fall, aber jetzt meine ich gar nicht so sehr mein Gewicht, sondern meinen Gemütszustand. Nach diesem Sommer fällt es mir so gar nicht „leicht“, hier mein Editorial abzuliefern – das man ja von mir „leicht und locker“ erwartet.

Als vor ein paar Tagen eine Nachrichtensprecherin bemerkte, sie könne es nicht mehr hören, hat Sie mir aus der Seele gesprochen: Krieg, Krisengebiete, Flüchtlinge usw. – wo man hinschaut und es hört einfach nicht auf.

Die Diskussionen im Fernsehen über das Für und Wider von deutschen Waffenlieferungen zur Unterstützung der Kurden im Irak kann ich nur mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen. Glaubt hier wirklich jemand, man kann mit der IS verhandeln? Das sehen die Israelis dann wohl deutlich realistischer – auch wenn‘s hier um die Hamas geht –, aber die sitzen auch dichter dran.

Die Tatsache, dass ein russischer Hilfskonvoi mit Nahrungsmitteln eine Woche an der ostukrainischen Grenze festgehalten wird, weil man auf das Einverständnis des Roten Kreuzes und der Regierung in Kiew wartet, läuft auch eher als schlechter Witz – denn als echte Politik - durch die Nachrichten. Der unter internationalem, scharfem Protest erfolgte, nicht-genehmigte Grenzübertritt wird hoffentlich rechtzeitig für die vielen Opfer Hilfe bringen.  
Wir dürfen inzwischen die Ideenlosigkeit der EU-Politiker ausbaden, die tatsächlich glauben, Sanktionen gegen Russland würde diese einschüchtern.

Erste Reaktion auf die EU-Sanktionen: Der Import von Nahrungsmitteln nach Russland wurde gestoppt. Dies führte u. a. bei österreichischen und spanischen Landwirten bereits zum Bankrott. Profitieren dürften die Inder, die ihre Landwirte rigoros subventionieren und jetzt auf diesem Wege sogar Gewinne erzielen können.

Russland droht im Falle neuer Sanktionen mit einem Importverbot für westliche Autos. Ein entsprechender Vorschlag liege dem Kreml bereits vor und sei – so die Moskauer Tageszeitung „Wedomosti“ – vollständig oder teilweise denkbar.

Da brauche ich dann auch keinen Dr. Erdal Yalcin (stellvertretender Leiter des Bereichs Außenhandel am ifo Institut) hören, nach dessen Einschätzung die härteren Sanktionen der EU gegen Russland „nicht zwangsläufig zu einem Politikwechsel in Moskau führe. Sinnvoller sei langfristig ein Ausbau des Handels mit Moskau, um einen Wandel in den Köpfen der Menschen zu erreichen.“
Ich glaube, er meint die Politiker!

Tja, dann mal schönen Dank an das Statistische Bundesamt für die informative Pressemeldung aus dem April 2014, dass Deutschlands Exporteure nur in überschaubarem Maß von Russland abhängig sind. Zwar wäre Russland ein wichtiger Handelspartner, aber bezogen auf die weltweiten Geschäftsbeziehungen der deutschen Exportwirtschaft halte sich die Abhängigkeit der Unternehmen von Russland in Grenzen.
Birgit Harreither