Vorwort

Bis Anfang April verbrachte ich die meiste Freizeit mit Schnee schippen (österreichisch: schaufeln), dann erreichte mich die folgende freudige Nachricht:

„Frau Holle ist tot“

Seither kämpfe ich mit der Frühjahrsmüdigkeit und den ganzen Bazillen, die mir irgendwelche triefenden, schniefenden Menschen, die sich beim Bäcker in der Schlange auch noch extra dicht an einen randrängeln, entgegenschleudern. In Zukunft werde ich, wie es die Asiaten tun, einen Mundschutz tragen.

All das benutze ich jetzt als Ausrede dafür, dass mir so gar nichts Schlaues eingefallen ist, womit ich in diesem Editorial hochgeistig hätte glänzen können. Also lasse ich es für diesmal gut sein und benutze Informationen, die ich von anderen erhalten habe. Die Folgende übrigens besonders gerne, weil ich schon immer diesen Spruch loswerden wollte:

Auf die Länge kommt es an!
Man hat nämlich herausgefunden, dass die vielgepriesene Nanowundertechnologie doch die eine oder andere Macke hat, denn die langen, reinen Kohlenstoffnanoröhren ähneln von ihrer Gestalt her Asbestfasern und leider scheinen sie auch eine ähnliche Pathogenität wie Asbest zu besitzen. Eine großtechnische Produktion könnte daher gesundheitliche Risiken bergen. So kamen Studien zum Ergebnis, dass mehrwandige Kohlenstoffnanoröhren mit einer Länge von mehr als 20 μm genauso wie Asbestfasern Entzündungen und in der Folge Granulome (entzündungsbedingte, knotenartige Gewebeneubildungen) verursachen, da die Makrophagen unseres Immunsystems die langen Fasern nicht aufnehmen und entfernen können. Ein europäisches Forscherteam ist jedoch zuversichtlich, dass durch chemische Modifizierungen, z. B. mit Tri(ethylenglycol), dieses Risiko aufgehoben werden kann, wenn die Röhrchenoberfläche hydrophiler gestaltet und die effektive Länge der Röhren verringert wird. Weitere Infos unter https://www.gdch.de/service-information/oeffentlichkeitsarbeit/highlights-angewandte-chemie.html

Die nächste Meldung hat es dann sogar geschafft, mich aus meiner Frühjahrsmüdigkeit zu reißen … Eine österreichische Tageszeitung berichtete, dass die Firma Hercules nun doch beim AKW Fukushima zu Rate gezogen wird. Nachdem wieder tagelang radioaktives Wasser aus einem Leck ins Freie gelangt ist, kam vor ein paar Wochen der lang erwartete Anruf aus Japan mit der Bitte, man möchte alle relevanten Unterlagen und Prüfergebnisse über die Spezialfolie „Hertec Carnvas“ zur Ansicht übersenden. Das strahlenresistente Material wäre in der Lage, das Leck zu schließen und ist außerdem noch antistatisch und brandhemmend. Schon vor zwei Jahren hat das Villacher Unternehmen seine Dienste angeboten. Ein feinmaschiges Netz sollte, überzogen mit einem  Polyureasystem, als Abdeckung für den AKW-Schutt dienen, um zu verhindern, dass nukleare Partikel durch den Wind verbreitet werden. Die Abdeckung wäre eine kurzfristige schnelle Lösung gewesen und kostet pro Quadratmeter um die 150 Euro.

Dafür erreichte mich noch eine andere Pressemeldung, wonach die VEGi Dream Kuhara, ein landwirtschaftliches Unternehmen, gemeinsam mit Toyota ein Wiederaufbauprojekt gestaltet mit dem Ziel, die japanische Bevölkerung mit Paprika aus inländischem Anbau sicher zu versorgen. Derzeit besteht der  japanische Paprikamarkt zu 90 Prozent aus Importware.

Ist das jetzt irgendwie ein neuer Gewürzkick? Kommt der dann auch zu uns und wen genau möchte man mit diesem Unsinn beeindrucken? Zwei Jahre nach 3/11. Hab ich die Radioaktivität völlig falsch verstanden? Man muss schon ein echter Verdrängungsweltmeister sein, um so gar nichts zu begreifen … armes Japan … arme Erde.
Birgit Harreither