Vorwort

Da wir diese Ausgabe auch dem Thema „Polyurethan im maritimen Bereich" widmen wollen, schaden ein kurzer historischer Überblick zur Schifffahrt und eine kleine Erläuterung zu unserem aktuellen Titelbild sicher nicht.

Die Seefahrt diente den Menschen schon seit etwa 120.000 Jahren als Fortbewegungsmittel. Ohne Schiffe hätte man keine neuen Länder und Kontinente entdeckt und der Handel wäre auf kleinen Raum begrenzt gewesen. Flöße und Einbäume machten den Anfang, aber bereits 7.000 v. Chr. bauten die Menschen erstmals Wasserfahrzeuge, mit denen die hohe See befahren werden konnte. Wahrscheinlich handelte es sich um Plankenboote oder größere Fellboote. Aus Ägypten stammen die ältesten bisher bekannten Schiffsdarstellungen (ca. 5.000 v. Chr.). Es handelte sich um Schiffe mit einem Mast und einem großen Rahsegel, das bereits drehbar gelagert war, so dass die Schiffe auch bei seitlichem Wind segeln konnten.

Auch in der Nord- und Ostsee nutzten die Menschen über Jahrhunderte hinweg den Wind als Hauptantriebskraft, z. B. mit Hansekoggen. Bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts waren die allseits bekannten Großsegler die „Frachtpferde" des Welthandels.

Die Erfindung der Dampfmaschine ersetzte rasch die Segelschifffahrt. Durch auf der ganzen Welt angelegte Kohledepots konnten dampfbetriebene Schiffe längere Distanzen in kürzeren Zeiten überwinden. Später wurde die Kohle durch das Öl als Energieträger zum Beheizen der Schiffskessel abgelöst. In modernen Schiffsmotoren wurde zunehmend Schweröl eingesetzt, ein relativ preiswerter, aber gleichzeitig umweltbelastender Treibstoff.

In den 1960ern entwickelte der Hamburger Ingenieur Wilhelm Prölss das Dynarigg. Er glaubte, dass spätestens im 21. Jahrhundert Frachtschiffe wieder unter Segeln auf den Ozeanen fahren. Mit dem neuen Rigg könnte ein großer Frachter 20 Knoten schnell und bis zu 50 Grad gegen den Wind segeln. Er starb 1974 und 30 Jahre nach seinem Tod wurde seine Vision verwirklicht.

Die dreimastige Superyacht „Maltese Falcon", ist mit einer Länge von 88,10 m auch die bisher größte Segelyacht der Welt. Sie segelt seit Sommer 2006 als erstes Schiff der Welt mit einem Rigg auf Basis der Entwürfe von Wilhelm Prölss.

Der Entwurf der Luxusyacht stammt vom niederländischen Konstrukteur Gerard Dijkstra. Fast vier Jahre lang hat er sich mit der Yacht und dem dynamischen Segelantrieb beschäftigt. Bisher war ja alles blanke Theorie gewesen. Prölss‘ erstes Dynarigg bestand aus Stahlmasten mit davorgesetzten Rahen, auf denen die Segel zum Setzen wie eine Gardine von der Mitte zu den Enden der Rahen gezogen wurden. Bei Dijkstra wurden die Segel aus erheblich leichteren Kohlefasermasten gerollt.

Wie die 58 m hohen Masten bestehen auch die Rahen aus hochfesten Karbon-Werkstoffen. Die Masten können, um die Segelfläche auf Kursen mit seitlichen Winden optimal einzustellen, gedreht werden. Bei der Dimensionierung des 2.396 m² großen Riggs ging man kein Risiko ein. Alles wurde so berechnet, dass die Masten und Segel einen Sturm mit elf Windstärken schadlos überstehen.

Schiffsgeschwindigkeiten von bis zu 24,8 kn zeigen, wie mit modernen Materialien und Technologien umweltfreundliche Lösungen gefunden werden können. Mehr Informationen gibt es unter: www.Doylesails.com, www.windschiffe.de und  http://phys.org/news/2012-06-fossil-fuel-free-cargo-ship.html

Einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Polyurethan in maritimen Anwendungen finden Sie auf der CPI -ebsite unter:

 

http://polyurethane.americanchemistry.com/Introduction-to-Polyurethanes/Applications/Polyurethane-for-Marine-Applications

 

Birgit Harreither