Vorwort

Diesmal fällt es mir wirklich schwer, dieses Editorial zu schreiben. Zu viel ist in den vergangenen zwei Monaten, seit dem Erscheinen unserer letzten Ausgabe, passiert und das Erdbeben in Japan sowie die ungeheuerliche Volksverdummung bei der Berichterstattung über die Folgen schockieren mich zutiefst. Wo ist erwähnt, dass bereits über 150 der Menschen, die versucht haben in Fukushima zu retten, was zu retten ist, an den Folgen der Verstrahlung gestorben sind? Stattdessen wird berichtet, dass es einen Engpass bei Autofarben geben wird, da einige der Farbpigmente in der Erdbebengegend Japans produziert wurden. Na, wie schön, dass wir alle keine anderen Probleme haben.
knorpelfische_rotes_meer
Wenn dann noch in der ausländischen Presse zu lesen ist, dass die Deutschen „viel zu emotional" auf die Atomkatastrophe reagieren, stelle ich fest, dass es u. a. ein Land war, das dann zusah, wie sich Tunesien oder Ägypten von ihren Diktatoren befreiten. Im Falle von Libyen jedoch, dem einzigen dieser revolutionierenden Ländern, das wirtschaftlich und infrastrukturell gut dastand, sich vehement einmischt. Ein Ende ist dort nicht in Sicht. Ist das auch zu emotional oder geht's da schon wieder nur um politische und wirtschaftliche Interessen? Ich muss noch grübeln.

Straende_074Die Atomkatastrophe hat zum Wahlsieg der Grünen wesentlich beigetragen - u. a. auch in Baden Württemberg - Bildzeitungskommentar: „Darf Porsche jetzt nur noch Tretautos bauen?" Wäre zumindest ein guter Diät-Tipp.

Wenig erfreulich sind auch die permanenten Meldungen über Preiserhöhungen und die Materialknappheit. Ein möglicher Lichtblick - die Unternehmen melden vermehrt Pläne und Durchführungsarbeiten zu Kapazitätserweiterungen, nicht nur für Asien, sondern auch für Europa. Ab 2012 sollte dann Entspannung zu erwarten sein. Nicht berücksichtigt, was uns natürlich noch für Folgen durch Japan erwarten.

Da sich auch die Partnerschaft in unserem Verlag nach weniger als einem Jahr in Luft aufgelöst hat, ist das ein weiterer Punkt, zu dem es gilt umzudenken, und daher bin ich - während ­diese Ausgabe layoutet und gedruckt wird - mal eben im Roten Meer abgetaucht, sinniere mit Fischen und Korallen über die weitere Zukunft der Erde - und unterstütze dabei die ägyptische Wirtschaft. Ich hoffe, man sieht mir das nach - vermutlich ist dieses Editorial dann noch nicht mal mehr aktuell - weitere Katastrophenmeldungen sind ja schon im Anmarsch.
Birgit Harreither