Vorwort

Laut einer englischen Statistik fahren Männer 442 km Umwege pro Jahr, weil sie nicht nach dem Weg fragen!

Darauf konterte ein Radio HH- Moderator ... und Frauen fahren pro Jahr 534 km zu viel, weil sie nicht rückwärts einparken können!

Das eine sollte sich durch das Navi regulieren lassen und für das andere Problem gibt es die elektronischen Einparkhilfen - übrigens, ich kenne nur Männer, die in ihren Autos so ein Einparksystem haben!

125 Jahre Automobil
Am 29. Januar 2011 feierte das Automobil seinen 125. Geburtstag, dank der Genialität von mehreren Männern: Nikolaus Otto und Wilhelm Maybach entwickelten zunächst geeignete Benzinmotoren, Carl Benz und Gottlieb Daimler 1886 die ersten Motorfahrzeuge.

Bertha_BenzAber es war eine Frau, nämlich Bertha Benz, die am 5. August 1888 die erste Überlandfahrt mit dem dreirädrigen Patent-Motorwagen Modell 3 ihres Mannes Carl wagte. Ohne ihren Mann zu fragen und in Begleitung ihrer Söhnen Eugen und Richard (damals 15 und 13 Jahre alt) begab sie sich auf die 104 Kilometer lange Reise von Mannheim - Heidelberg - Bruchsal - Durlach - Pforzheim und drei Tage später zurück über Bretten und Bruchsal nach Mannheim (90 km). Damals eine abenteuerliche Fernfahrt, bei der Benzin nur in Apotheken erhältlich war - so kam die Stadt-Apotheke in Wiesloch bei Heidelberg zu unerwartetem Ruhm, da Bertha Benz dort den nötigen Treibstoffnachschub Ligroin einkaufte. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert konnte man Benzin und andere Treibstoffe nur in Apotheken kaufen, somit gilt diese Apotheke als die erste Tankstelle der Welt.

Während der Fahrt mussten mehrere Reparaturen durchgeführt werden, von denen ­Bertha Benz zwei selbst auf offener Strecke erledigen konnte: „Das eine Mal war die Benzinleitung verstopft - da hat meine Hutnadel geholfen. Das andere Mal war die Zündung entzwei. Das habe ich mit meinem Strumpfband repariert."

Diese erste erfolgreiche Überlandfahrt mit dem Wagen trug wesentlich dazu bei, die noch bestehenden Vorbehalte der Kunden zu zerstreuen. Damit hatte sie der Erfindung ihres Mannes zum Durchbruch verholfen, wie dieser später eingestand: „Sie war wagemutiger als ich und hat eine für die Weiterentwicklung des Motorwagens entscheidende Fahrt unternommen." Dies ermöglichte in der Folge den wirtschaftlichen Erfolg der Firma.

Aber auch Daimler setzte auf die Symbolkraft und den Charme einer Dame und nannte sein erstes modernes Automobil 1901 „Mercedes", nach der Tochter seines Vertragshändlers Emil Jellinek. Ein Jahr später sicherte sich Daimler die weltweiten Nutzungsrechte an diesem Namen - die Geburtsstunde der ersten global erfolgreichen Marke mit weiblichem Signet.

Apropos: Das Wort „Automobil" entstand aus dem griechischen Wort αὐτό (selbst) und dem lateinischen Wort mobilis (beweglich).

Cäcilie Bertha Benz wurde am 3. Mai 1849 in Pforzheim als Tochter des Zimmermeisters Karl Friedrich Ringer geboren. 1871 ließ sie sich vorzeitig ihre Mitgift auszahlen, um mit diesem Kapital ihrem Verlobten Carl Benz die Weiterführung seines Unternehmens zu ermöglichen. Am 20. Juli 1872 heirateten die beiden in Pforzheim. Sie hatten fünf Kinder: Eugen (1873), Richard (1874), Clara (1877), Thilde (1882) und Ellen (1890).

Bertha Benz starb im Alter von 95 Jahren am 5. Mai 1944 in Ladenburg. Zwei Tage vor ihrem Tod wurde sie zur Ehrenbürgerin der Technischen Hochschule Karlsruhe ernannt.

Ligroin ist ein Kunstwort und bezeichnete zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen, welches zwischen 60 und 100 °C siedet. Der Name ist auch heute noch im Chemie-Umfeld gelegentlich zu finden.

Das Brandenburgische Automobilmuseum Schloss Börnicke schreibt in seiner Pressemitteilung zur Ausstellung „Freie Fahrt für Frauen": „Weit verbreitet ist die Legende, dass ­Bertha Benz die erste Autofahrerin war, doch bei ihrer Ausfahrt von Mannheim nach Pforzheim saß nicht sie, sondern ihre Söhne am Steuer."

 

Birgit Harreither