„Mobilität“

Ich liebe es ja, Statistiken zu lesen, möglichst mehrere zu einem Thema, um zu sehen, wie unterschiedlich sie interpretiert und dargestellt werden. Anfang Februar war ich am Hamburger Windstammtisch des BWE (Bundesverband Windenergie), wo uns erzählt wurde, dass heutzutage bereits 40 % erneuerbare Energien (EE) ins deutsche Stromnetz jährlich eingespeist werden, davon immerhin 80 % Wind. Genau eine Woche später erhielt ich eine Presseinfo, dass lt. Eurostat in der EU 17,5 % und in Deutschland 15,5 % Ökostrom verwendet werden. Also was stimmt jetzt?

 

Da jetzt wieder die „heiße“ Reisephase (Messezeit) losgeht, habe ich keine Zeit gehabt, das herauszufinden.

 

Auch interessant war das Gespräch mit einem Windradbetreiber, der mir versicherte, dass der Windstrom in der Herstellung gerade mal 3-4 ct pro kW/h kostet – mehr als Braunkohle aber weniger als Atomstrom. Da macht es ja wohl keinen Sinn, dass dann die Politik davon redet, dass der Strom aus 100 % EE zukünftig mindestens 30-40 ct teurer sein wird – selbst bei dem derzeitigen Stand der Speichermöglichkeiten für EE (diese Kosten kämen zumindest für einen gewissen Prozentsatz on top) zeigt sich, wie maßlos überzogen die Kalkulation ist. Ob das der E-Mobilität auf die Sprünge hilft, mag ich dann bezweifeln. Das E-Auto würde in Anschaffung und Erhaltung weit über einem normalen Benziner liegen. Den Diesel lass ich mal außen vor, denn die Erkenntnisse, die hierzu öffentlich zum Besten gegeben werden, sind gleichfalls haarsträubend. Wir haben in Hamburg schon seit Monaten ein Dieselfahrverbot auf der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße – die neuesten Feinstaubmessungen zeigen, dass das nichts gebracht hat. Oh Wunder: Der böse Feinstaub in der Luft wusste nicht, dass er sich aus den weiterhin befahrbaren Nebenstraßen in einer so „windarmen“ Stadt wie Hamburg, nicht verteilen lassen darf (IRONIE!).

 

Eigentlich mehr per Zufall habe ich dann die ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ gesehen, in der es um die Umwelt (Plastiktüten, Strompreise und ein mögliches Tempolimit) ging. Über die Für-und-Wider-Argumentationen habe ich Tränen gelacht – von den Münchner „Schickeria-Frauen“, die der Umwelt zuliebe mit dem Porsche Cayenne ein paar 100 Meter zum Einkaufen in den Bioladen fahren, bis hin zu dem in Plastik abgepackten Obst und Gemüse, dass man eigentlich sowieso gründlich waschen sollte, bevor man es isst, egal, wie oft es angefasst wurde. Und wie ernst muss ich einen Umweltaktivisten nehmen, der mehr im Flieger sitzt als sonst wo? Ach ja, er macht einen CO2-Ausgleich – wie macht man das? Ich frag mich das auch immer, wenn ich mit UPS meine Zeitschriften zu Messen schicke – da kann man dann anklicken, dass man sich für Extrageld von der CO2-Schädigung freikaufen kann. Mit dem Geld wird irgendwo ein Bäumchen gepflanzt – will man mich veräppeln?

 

Der Einzige, der mich in dieser Talkshow beeindruckt hat, war der erst 18-jährige Abiturient (inzwischen kennt ja wohl jeder die „Fridays for Future“-Bewegung), der mit einer entwaffnenden Klarheit argumentiert hat – Fazit: WIR zerstören die Zukunft unserer Kinder mit Nichtstun.

 

Was hat das jetzt alles mit der Überschrift „Mobilität“ zu tun? Es gibt nicht nur das Auto und das Flugzeug – es gibt auch eine Bahn (ja, ich weiß genau, was jetzt manche denken), es gibt das Fahrrad und wir haben doch wohl alle zwei Beine. Muss ich wirklich zum Einkaufen mit dem Auto? Kann ich auch mit dem Fahrrad in die Firma fahren? Es gibt viele Möglichkeiten im täglichen Leben. Eine Studie aus der Schweiz hat übrigens ergeben, dass der Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 in der einkommensstarken Gesellschaft deutlich höher ist, als in der einkommensschwächeren, und dass alleinlebende Frauen weniger Strom verbrauchen, als alleinstehende Männer – übrigens ist damit gemeint: „in ihren Wohnungen unabhängig von der Wohnfläche“.

 

Mein Fazit zu einer CO2-neutralen Mobilität ist: Wir können uns alle ein bisschen mehr „selbst“ bewegen, und damit meine ich nicht, mit dem Auto zum Fitness-Studio zu fahren. Das hält fit und gesund und schont die Umwelt – wenn es jeder tut!

 

Birgit Harreither