Aus gegebenem Anlass!

„Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist zum 25. Mai 2018 in Kraft getreten. Damit wurde das Datenschutzrecht innerhalb Europas vereinheitlicht, um dem Einzelnen mehr Kontrolle über seine Daten zu verschaffen. Entsprechend gelten künftig in allen EU-Staaten die gleichen Standards in Sachen Datenschutz, datenschutzrechtliche „Rückzugsräume“ innerhalb Europas wird es damit nicht mehr geben...usw.“ Gilt übrigens auch für Unternehmen die keinen Sitz in der EU haben, aber mit der EU Geschäfte machen – wenn das bedeutet, dass ich in Zukunft keine 500 Spam-Mails pro Tag kriege, dann sage ich: „Juhuuuuu!“

 

Aber haben Sie diese neue Verordnung gelesen und verstanden? Ich ehrlich gesagt nicht. Ständig wird vom Schutz personenbezogener Daten natürlicher Personen gesprochen.

„Die Ziele der EU-DSGVO sind der Schutz der Grundrechte und Grundfreiheiten natürlicher Personen und insbesondere deren Recht auf Schutz personenbezogener Daten (Art. 1 Abs. 2 DSGVO) und der freie Verkehr personenbezogener Daten (Art. 1 Abs. 3 DSGVO).“

 

Als Verlag und Veranstalter sind meine Kunden doch andere Firmen und Organisationen, also keine natürlichen Personen – oder? Ich hätte das so gesehen – und im Traum würde mir nicht einfallen vorhandene Firmenanschriften und die entsprechenden relevanten Ansprechpartner (Namen, Telefonnummern und E-Mails) an andere weiterzugeben. Aber halt! Die Teilnehmerliste auf meinen Veranstaltungen enthielt auch bei mir Firma/Name – ist das dann schon verboten? Angeblich jetzt ja!

 

Darf ich dann auch kein E-Mailing mehr rausschicken, um die nächste Veranstaltung anzukündigen oder Tagungsbesucher aus den Vorjahren per E-Mail einladen? Darf ich jetzt auch nicht mehr unsere 2–3 FAPU-Newsletter an Personen in Unternehmen senden, die eindeutig mit dem Werkstoff Polyurethan, in welcher Art auch immer, zu tun haben? Ist es mir jetzt auch verboten, meinen Abonnenten Neuigkeiten zu zusenden oder neue Abonnenten oder Anzeigenkunden durch E-Mails zu akquirieren? In der EU-DSGVO konnte ich das nirgends klar definiert lesen, aber mir wurde gesagt, dass ich es nicht mehr darf, außer ich habe das schriftliche Einverständnis. Wo bitte steht das so geschrieben?

 

Ich habe gegoogelt und x Seiten gefunden, die mir anbieten mich zu beraten und bei der Umsetzung neuer Datenschutzrichtlinien zu unterstützen – natürlich für viel Geld. Und wieder wurde durch die Experten der EU eine neue Geschäftsidee geboren, die auf Angst und Unsicherheit beruht, mit der Drohung im Hintergrund, dass man mich bei eventuellen Fehlern mit hohen Strafen belegen könnte. Das wäre natürlich für ein Kleinunternehmen wie den KP Verlag das sichere K.o.

 

Daher möchte ich hier und heute SIE alle bitten das herrschende Informationschaos nicht willkürlich zu benutzen und gleich mit Klagedrohungen um sich zu werfen. Eine einfache, einmalige Rückmeldung: „Ja, ich möchte aus Ihrem Verteiler gelöscht werden“, ist völlig ausreichend.

 

Wir haben Ihnen allen (sofern die E-Mail-Adressen vorhanden waren) vor dem 25. Mai eine E-Mail geschickt, um Sie zu bitten, uns Ihr schriftliches Einverständnis erneut zu geben, um weiterhin von uns E-Mails zu erhalten. Sämtliche Adressen von denen wir kein Einverständnis bzw. gar nichts gehört haben, wurden aus dem System gelöscht. Sie können uns aber nachträglich noch Ihr Einverständnis zukommen lassen. Das betrifft natürlich nicht die Print-Ausgaben von Abonnenten.

 

Ich wurde in den letzten beiden Wochen mit entsprechenden Mails überhäuft und die Krönung war eine 4-seitige Vertragszusendung einer Buchhandlung, die bei mir genau 1 Jahres-Abo bezieht – den Text habe ich nur zur Hälfte verstanden und ich werde mir für ein 95-Euro-Geschäft im Jahr sicher keinen Anwalt für deutlich mehr Geld suchen, der diesen Vertrag prüft und mir versichert, dass es in Ordnung wäre, ihn zu unterschreiben.

 

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass Firmen, die mir Pressemeldungen aus ihrem Hause zukommen lassen – weil sie möchten, dass wir diese in der FAPU publizieren, das gerne auch ohne mein neuerliches Einverständnis dürfen. Aber ich bitte doch darum, dass das auf Gegenseitigkeit beruht!

 

Mehr möchte ich jetzt auch nicht dazu sagen – alles Weitere wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

 

Birgit Harreither