Das Fahrrad feiert seinen 200. Geburtstag

Joggen war nie mein Ding und die Hamsterradmentalität im Fitnesscenter macht für mich höchstens im Winter Sinn, wenn nichts anderes mehr geht. Nach einem ganzen Tag im Büro oder auf Konferenzen sitzen und schmerzenden Füßen nach Messebesuchen, zieht es mich immer mehr an die frische Luft. So wurde das Fahrradfahren für mich der perfekte Ausgleich, um den Kopf wieder freizubekommen und dabei meine Füße zu schonen. Über die Jahre wurden die Streckenziele immer größer und nach einer 100-km-Tagestour mit schmerzendem Hinterteil machte ich mir auch über einen geeigneten Fahrradsattel so meine Gedanken …

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… und siehe da – es gibt Abhilfe – denn nichts geht über einen ordentlichen Sattel, der – na, wie könnte es anders sein - mit Polyurethangel gepolstert ist.

Das hätte sich Karl Freiherr von Drais mit der Erfindung seiner Laufmaschine (das Ur-Fahrrad) vielleicht auch auf seiner ersten 14-km-Tour im Mannheimer Raum vor genau 200 Jahren (Juni 1817) gewünscht. Die Draisine (so wurde sie damals von den Zeitungen bezeichnet) verfügte über einen Holzrahmen, zwei gleich große hölzerne Räder, von denen das vordere mit einem Deichsellenker gesteuert werden konnte. Angetrieben wurde sie durch abwechselndes Abstoßen mit den Beinen, während der Fahrer auf einem Sitz zwischen den beiden Rädern saß. Die 50 Pfund schwere Laufmaschine erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 15 km/h.

quelle von unbekannt kolorierte lithographie von hartenstein (), etwa 1820, gemeinfrei, httpscommons.wikimediaFoto Karl Drais – Quelle: Von Unbekannt – Kolorierte Lithographie von Hartenstein, etwa 1820, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=11605541


Der Franzose Pierre Lallement (1843–1891) wird von einigen als der wahre Erfinder des Fahrrads angesehen, aber dazu gibt es zwei Versionen. Nach einer Version sah Lallement 1862 eine Draisine und baute, dadurch inspiriert, an der Achse des vorderen Laufrades eine Tretkurbel mit Pedalen an. Nach einer anderen Version ging Lallement 1863 nach Paris und arbeitete bei Pierre Michaux an der Produktion der Michauline mit. Es ist nicht festzustellen, ob Lallement bereits vor Michaux die Tretkurbel an der Laufmaschine anbrachte. Sicher ist, dass beide am Grunddesign der Michauline beteiligt waren.

pierre lallemant 1870

Foto Pierre Lallement – Quelle: Von Unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3180091

Mehr zur 200-jährigen Geschichte des Fahrrads mit all seinen verschiedenen Varianten kann natürlich jeder googeln – das würde den Rahmen hier sprengen. In dieser Ausgabe gibt es zwei Pressemeldungen von BASF über die neuesten Entwicklungen: Fahrradsattel und Fahrradreifen mit Polyurethan. Übrigens werden Fahrradsättel schon seit fast 20 Jahren mit Polyurethangel gepolstert. Ob es in früheren Versionen auch schon Sättel mit Polyurethanschaum gab, konnte ich nicht eruieren, ist aber sehr wahrscheinlich. Vorwiegend bei Werks- und Militärfahrrädern werden Tire-Fill-Systeme aus Polyurethan zum Ausschäumen der Reifen eingesetzt, um diese pannensicher zu machen. Allerdings beeinträchtig das Gewicht den Fahrkomfort. Eine weitere Polyurethananwendung ist die Ummantelung der Lenkergriffe. Ich bin mir sicher, dass es auch noch die eine oder andere weitere Anwendungsmöglichkeit für Polyurethan am Fahrrad gibt – die Entwicklung wird weitergehen und je nach Fahrradtyp kann PU auch hier für mehr Komfort sorgen.

Birgit Harreither