Koelnmesse richtet mit UrbanTec Aufmerksamkeit auf „Wachstumschance Megacity"

Werden die großen Millionen-Metropolen der Welt innerhalb der nächsten Jahrzehnte in einem Chaos aus Umweltverschmutzung, Kriminalität und unkontrolliertem Bevölkerungswachstum versinken? Oder werden sie zu lebenswerten Regionen, in denen ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr, eine stabile Energieversorgung und sauberes Trinkwasser zum dauerhaften Standard gehören? Große Industrieunternehmen arbeiten schon seit Jahren an Problemlösungen, die den Bewohnern großer Ballungsgebiete zu mehr Wohlstand und Lebensqualität verhelfen sollen.

Die Koelnmesse stellt diesen Anbietern im Herbst mit einem neuen Messekonzept eine branchenübergreifende Plattform zur Verfügung. Mit der UrbanTec, die vom 24. bis 26. Oktober 2011 in der Domstadt ihre Pforten öffnen wird, schafft die Koelnmesse erstmals einen exportorientierten Marktplatz für Unternehmen, die sich die vielfältigen Geschäftsfelder rund um die fortschreitende Urbanisierung erschließen wollen. Gezeigt werden hier Technologien und Entwicklungen, die das Leben in bestehenden, wachsenden und neu entstehenden Ballungsgebieten und Großstädten nachhaltig verbessern können.

„Es gab bisher zwar viele Kongresse zu Einzelaspekten, aber noch kein umfassendes, branchenübergreifendes Veranstaltungsformat zum Thema ,Urbanisierung‘", unterstich Koelnmesse-Chef Gerald Böse den innovativen Ansatz der UrbanTec. Rund 150 nationale und internationale Unternehmen werden im Herbst auf dem Kölner Messegelände ihre Leistungen präsentieren. „Wir erwarten als Besucher kompetente Entscheidungsträger beispielsweise aus den Sektoren öffentliche Verwaltung, Verkehr, Wasser- und Energieversorgung sowie Banken und Investoren", erläuterte Böse.

Viele Megastädte sind trotz aller Probleme Wachstumsmotoren und Zentren der Produktivität. Nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwirtschaften beispielsweise Mexico City und São Paulo rund die Hälfte des jeweiligen Nationaleinkommens. Bangkok trägt mehr als 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, obwohl dort nur 10 Prozent der Thailänder leben. Bis 2030 stehen nach Schätzungen der OECD weltweit über 30 Billionen Euro zur Verfügung, die in städtische Infrastrukturen investiert werden sollen.

Derzeit gibt es weltweit 22 Megacities mit jeweils mehr als zehn Millionen Einwohnern. Diese Super-Städte mit insgesamt rund 300 Millionen Menschen sind kaum noch zu beherrschen. Auch die Zukunftsaussichten bleiben dramatisch: Denn schon im Jahr 2025 wird es mindestens 30 Megacities weltweit geben. Dadurch entstehen erhebliche ökologische und ökonomische Probleme, die der Industrie aber zugleich völlig neue Entwicklungspotenziale eröffnen. Denn die Konzentration der Bevölkerung in Millionenmetropolen bietet beispielsweise die Möglichkeit einer effizienten Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen. Besonders wirkt sich das auf die Trinkwasserversorgung oder die Abfallentsorgung aus. Große Entwicklungschancen werden auch dem Ausbau öffentlicher Verkehrssysteme eingeräumt. Denn ausnahmslos jede Megacity kämpft mit erheblichen Verkehrsproblemen. Diese Herausforderung gilt als der Schlüsselfaktor für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Stadt.
Luftverschmutzung und Staus sind die logischen Folgen eines gewaltigen Verkehrsaufkommens und die Ursachen der größten ökologischen Probleme. Als Industriestandorte mit Versorgungsbetrieben und Verkehrsknotenpunkten sind Megacities in einem großen Ausmaß für die Luftverschmutzung und das Klima einer ganzen Region verantwortlich. So geht es vielfach darum, neue Verkehrssysteme aufzubauen und den vorhandenen Verkehr effizienter zu steuern.

In der thailändischen Metropole Bangkok hat man die Verkehrsprobleme besser im Griff, seit der BTS Skytrain, eine Hochbahn von 23 Kilometer Länge, seinen Betrieb aufnahm. Die von Siemens gebauten Züge entlasten die Innenstadt und transportieren täglich rund 400.000 Fahrgäste. Die Luftverschmutzung ist seit der Eröffnung der Anlage vor mehr als zehn Jahren deutlich geringer geworden.
Aber auch in anderen Megacities gibt es noch viel zu tun: So entwickelt sich beispielsweise die chinesische Großstadt Urumqi, die bereits vier Millionen Einwohner zählt, in einem rasanten Tempo zu einer Megastadt. Im Jahr 2020 könnten dort schon bis zu acht Millionen Menschen leben, rechnen Experten.

Die Region im Nordwesten Chinas steht im Mittelpunkt eines internationalen Forschungsprojektes unter Führung der Universität Heidelberg. Der durch die Kohlekraftwerke im Großraum Urumqi verursachte Smog liegt vor allem an den bis zu minus 16 Grad Celsius kalten Wintertagen wie ein Schleier über der Landschaft. Die Luftverschmutzung führte schon zu einem gravierenden Anstieg von Atemwegserkrankungen in der Region. Im Fokus des Projektes „Recast Urumqi", das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, stehen deshalb die Schlüsselkreisläufe Energie, Abfall und Wasser und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Einwohner des Ballungsraums. Ein erster Lösungsansatz, der bereits verwirklicht wurde, ist die stärkere Nutzung der Wind- und Sonnenenergie. In der Umgebung von Urumqi drehen sich die ersten Windräder. Aber auch die Sanierung von Gebäuden oder der Neubau energieeffizienter Häuser stehen auf dem Programm. Am Ende des Projektes, das noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird, soll Urumqi als Vorbild dienen, wie sich auch andere Metropolen Zentralasiens durch die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Kommunalverwaltung und Wirtschaft zu ihrem Vorteil entwickeln könnten.
Doch in vielen Megacities muss erst einmal entsprechender Wohnraum für Millionen Menschen geschaffen werden werden. Denn noch leben viele Bewohner in den Ballungsräumen Afrikas und Asiens in Slums oder finden häufig selbst dort keinen Platz mehr. So kampieren die Ärmsten der Armen an den Steilhängen rund um Manila oder in den Rieselfeldern von Kalkutta.
Megastädte wachsen trotzdem weiterhin mit einer jährlichen Rate von bis zu drei Prozent. Das heißt, ein Ballungsraum mit zehn Millionen Einwohnern erhält pro Jahr einen Zuwachs in der Größenordnung einer weiteren Großstadt.

„Die Verstädterung, die in Deutschland so gut wie abgeschlossen ist, hat in dem Rest der Welt erst begonnen", berichtet Albert Speer, Frankfurter Stadtplaner und Architekt, der schon vor Jahren die Planungen für eine 120 Quadratkilometer große Automobilstadt mit 300.000 Einwohnern in der Nähe der chinesischen Industriemetropole Changchun übernommen hatte. „Eine Messe wie die UrbanTec, die zeigt, wie andere mit dem Problem der Urbanisierung umgehen, ist überfällig."
banner_fixed
banner_default