Viel Sicherheit fürs Flachdach

Für das extensiv begrünte Flachdach der Kinderkrippe in Marktoberdorf wählte Architekt Jochen Schurr ein bituminöses Abdichtungssystem. So erreichte er eine extrem hohe Widerstandsfähigkeit und Schadenresistenz. Voraussetzung dafür war ein Dämmstoff, der die hohen Temperaturen des Flüssigbitumens ohne Schäden verkraftet.

 

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2013 in der Bahnhofstraße eröffnet, setzt die Kinder-Grippe in Marktoberdorf Maßstäbe in punkto Architektur, Energiestandard, Baubiologie und Komfort. Geplant wurde sie von müllerschurr.architekten, die schon bei früherer Gelegenheit für die Stadt aktiv geworden waren: 2010 hatten sie für Marktoberdorf bereits eine Kinderkrippe geplant und begleitet, die dank ihres runden Baukörpers und als erstes Passivgebäude der Stadt Aufsehen in der Presse erregt hatte.
Dieses Gebäude war die Basis einer neuen kommunalen Bauvorlage, in der die technischen und energetischen Anforderungen an künftige kommunale Projekte festgeschrieben wurden. Unter anderem fordert die Bauvorlage den Passivhausstandard und die Verwendung emissionsfreier, nachhaltiger und baubiologisch unbedenklicher Baustoffe.

Passivgebäude in Holzbauweise

Die Bauvorlage gab auch die Mindestanforderungen für die Kinderkrippe in der Bahnhofstraße vor. Diese erfüllt dementsprechend mit einem Heizwärmebedarf von 0,13 kWh/m2a, einer Heizlast von 13 W/m2, einer Luftwechselrate von 0,3 h-1 und einem Primärenergiebedarf von 57 kWh/m2a die Vorgaben an ein zertifiziertes Passivhaus.
Heizwärme kommt über einen Fernwärmeanschluss ins Gebäude und wird über Flächenheizungen in die Räume verteilt, solare Einträge über die großen Glasflächen und eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Erdkollektor reduzieren den Energieverbrauch. Die Vorgaben bezüglich wohngesunder Baustoffe erfüllt das Gebäude durch die Verwendung unbedenklicher Materialien wie z. B. Linoleum im Innenausbau.

 

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Für Holz sprach in diesem besonderen Fall außerdem, dass durch die Klärung der Standortfrage im Vorfeld viel Zeit verloren worden war. So betrug das Zeitfenster für den Bauablauf von der Auftragsübergabe mit erstem Entwurf bis zum Einzug der Kindergruppen nur ein Jahr. Für die Baustelle selbst war ein halbes Jahr veranschlagt.

Kompaktdachlösung mit PUR-/PIR-Dämmung
Ein technisch anspruchsvolles Gewerk ist das große Flachdach des Gebäudes. Auf ein weniger schadensanfälliges Gefälledach hatte man bewusst verzichtet, da für das Dach eine extensive Begrünung mit hohem Speichervermögen vorgesehen war.
Basis der Dachkonstruktion ist eine Decke über dem Obergeschoss, die wie alle Decken des Gebäudes aus Beton-Halbfertigteilen besteht. Diese Halbfertigteile wurden auf der Baustelle bewehrt und mit Ortbeton ausgegossen. Die Betondecke fungiert im Dachaufbau als luftdichte Ebene, zu den Räumen hin wird sie durch eine abgehängte Akustikdecke komplettiert.

 

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Als Dachdämmung kam Linitherm PGV von Linzmeier in einer Stärke von 240 mm zum Einsatz. Die PUR/PIR-Dämmelemente der WLS 026 bieten eine hohe Dämmwirkung bei schlankem Bauteilquerschnitt und erreichen bereits für sich allein genommen einen passivhaustauglichen U-Wert von 0,11 W/m2K.

Jochen Schurr hat sich zum einen für diesen Dämmstoff entschieden, „weil man ein Stück weit Pragmatiker bleiben und die Bauanforderungen so umsetzen muss, dass das Projekt noch bezahlbar bleibt. Hätten wir zum Beispiel eine Holzfaserdämmung genommen, wären die Kosten deutlich höher, die Dämmschicht deutlich dicker und mehrlagig gewesen. Auch das Gewicht auf der tragenden Konstruktion wäre deutlich höher ausgefallen.“ Als vorteilhaft erwies sich angesichts ausgereizter Deckenspannweiten außerdem das geringe Gewicht der PUR/PIR-Dämmplatten, das außerdem das Handling auf dem Dach erleichtert und so zu kurzen Montagezeiten beiträgt – angesichts des allgemeinen Zeitdrucks ein gern gesehener Nebeneffekt.

Vorteile der PUR/PIR-Dämmung sieht der Architekt darüber hinaus beim Thema Sicherheit, das ihm beim Flachdach ganz besonders am Herzen liegt: „Hier lässt sich nie zu hundert Prozent ausschließen, dass es eine Beschädigung gibt und Wasser eindringt. Dann nimmt PUR/PIR nur ex­trem wenig Feuchtigkeit auf, so dass im Schadensfall nicht gleich die gesamte Dämmung zerstört wird. Andere Dämmstoffe saugen sich voll und bieten in diesem Punkt nicht so viel Sicherheit.“
Schließlich war Linitherm PGV eines der wenigen Dämmelemente auf dem Markt, die sich mit dem von Schurr im Flachdach bevorzugten bituminösen Abdichtungssystem vereinbaren ließen.
Bei diesem System wird jede Bauteilschicht von der Betondecke bis zur obersten Abdichtungslage in eine Flüssigbitumenschicht eingegossen: „So erreichen wir eine extrem hohe Widerstandsfähigkeit und Schadenresistenz, zum Beispiel bei Nageleintritt. Man hat in diesem Fall keine Unterwanderung des Dämmstoffs durch Feuchtigkeit – wenn man also unten am Bauteil eine Durchfeuchtung bemerkt, kann man die Schadenstelle oben in einem engen Umkreis lokalisieren.“
Voraussetzung für ein solches System ist allerdings ein Dämmstoff, der wie PUR/PIR die hohen Temperaturen des Flüssigbitumens verkraftet. Über der mit einem bituminösen Anstrich versehenen Betondecke sieht die Kompaktdachlösung in Marktoberdorf wie folgt aus: In eine erste Flüssigbitumen­ebene ist eine bituminöse, alukaschierte Dampfsperre eingelegt.

Darüber folgen die ebenfalls in Heißbitumen vergossenen Dämmelemente, deren stumpfe Kanten in Heißbitumen eingetaucht und dann satt aneinandergestoßen wurden. Hin und wieder auftretende Fugen füllten die Verarbeiter wo nötig mit Dämmstoff und übergossen sie mit Heißbitumen, so dass bei der Montage eine luftdichte Außendämmschicht entstand.

Auf die Dämmebene folgt mit einer in Bitumen eingegossenen, dreilagigen, polymerverstärkten Bitumenbahn die zweite Abdichtungslage. Darüber befindet sich ein Polyestervlies, auf dem mit einer durchwurzelungsfesten Noppenbahn die dritte Abdichtungslage aufliegt. Den Abschluss des Dachs nach oben bilden ein zweites Polyestervlies und die Vegetationsschicht.

 

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PUR/PIR aus baubiologischer Sicht
Auch die ökologische Seite der Kompaktdachlösung war ein Thema für die Gemeinde. Hier mag es ein Argument für Linitherm PGV gewesen sein, dass PUR-Harze auch in formaldehydfreien Holzwerkstoffen (Holzfaserdämmungen, Spanplatten) als Bindemittel fungieren, denen schon seit Jahren biologische Unbedenklichkeit attestiert wird.

PUR-/PIR-Dämmstoffe sind dementsprechend chemisch inert (reaktionsträge), geruchsneutral, frei von toxischen Ausgasungen, Formaldehyd und gesundheitsgefährdenden Fasern.

Eine Untersuchung des Ingenieurbüros für Bauökologie + Bauphysik Karl Heinz Sirtl in Wellheim nach biologischen und bauökologischen Aspekten kommt deshalb zu dem Schluss: „Aufgrund der oben genannten Untersuchungsergebnisse kann Polyurethan-Hartschaum durchaus auch im Bio- bzw. Ökobau kritiklos eingesetzt werden, zumal  das Produkt eine ausgezeichnete Wärmeleitzahl aufweist und damit eine hohe Wärmedämmfähigkeit, was Energiesparmaßnahmen bestens entgegenkommt.“

Die Unbedenklichkeit von PUR in Bezug auf die Freisetzung flüchtiger Bestandteile stellt außerdem ein Gutachten des Fraunhofer-Instituts fest. Die Gutachter des mit der Prüfung beauftragten Wilhelm Klauditz Instituts in Braunschweig bescheinigen dabei dem Dämmstoff: „Effektive Dämm-Maßnahmen mit PUR-Hartschaum leisten einen Beitrag zum Umweltschutz. Unter üblichen Gebrauchsbedingungen ist weder eine Belastung der Innenraumluft noch eine Gefährdung menschlicher Gesundheit oder eine Beeinträchtigung der Umwelt durch PUR-Hartschaum zu erwarten.“

Konsequenterweise bietet Linzmeier mit seinem Wandbausystem (WBS) auch PUR-/PIR-gedämmte Holzrahmenelemente für den Bau von Sozialbauten, Gewerbe- und Verwaltungsobjekten, Anbauten und Aufstockungen bei Wohnobjekten an.

Beispielhaftes Projekt für den Nachwuchs
Auf rund 1.600 m2 Fläche sind in der Bahnhofstraße vier Kindergruppen untergebracht, denen neben ihren Gruppenräumen je ein Ruheraum, großzügige Spielflure und Sanitäranlagen und von jeweils zwei Gruppen gemeinsam genutzte Speiseräume zur Verfügung stehen.

Ergänzt wird dieses großzügige Raumangebot durch eine schön gestaltete Außenanlage mit hochwertiger Ausstattung und durch ein ebenso komfortables Raumangebot für Betreuer und Kinderkrippenleitung.

Fazit des Architekten Jochen Schurr: „Sicher hätte man auch in kleinerem Maßstab planen können, aber wir haben hier die Vorgaben von Marktoberdorf umgesetzt.“ Und dort versteht man sich – wie das beispielhafte Projekt in der Bahnhofstraße zeigt, ganz zu Recht – als kinderfreundliche Stadt.

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