RAMPF Bio-Systeme - Es gibt viele Wege, um nachhaltig Kunststoffe herzustellen

Erdöl ist nur begrenzt verfügbar, die Umwelt nur noch wenig belastbar. Für die Automobilindustrie wird es immer schwieriger, ausreichend guten Stahl zu bekommen. Für die Leichtbauweise bieten sich Materialien aus Kunststoff besser an als Eisen. Und mit dem Comeback des Recyclings entstehen täglich neue Lösungen mit Kunststoff. Die Zukunft liegt in alternativen Rohstoffen. Über die Rolle der Nachhaltigkeit bei der Firmengruppe Rampf diskutieren Matthias Rampf, Geschäftsführer Rampf Ecosystems und geschäftsführender Gesellschafter Rampf Holding, Dr. Klaus Schamel, Geschäftsführer Rampf
Giessharze und Dr. Frank Dürsen, Laborleiter Zukunft & Nachhaltigkeit Rampf Holding.

 

Rampf_klaus_Schamel_frank_duersen_matthias_rampf_20_10 V. l.: Dr. Klaus Schamel, Geschäftsführer Rampf Giessharze,
Dr. Frank Dürsen, Laborleiter Zukunft & Nachhaltigkeit Rampf Holding,
und Matthias Rampf, Geschäftsführer Rampf Ecosystems und
geschäftsführender Gesellschafter Rampf Holding

 

Rampf bietet Systemlösungen auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Rampf: Unsere Unternehmensphilosophie ist von Nachhaltigkeit geprägt. Daher versuchen wir stets über den berühmten Tellerrand zu blicken. Rohstoffe werden knapp oder aufgrund der steigenden Nachfrage im Einkauf zu teuer. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Verbrauchsgeschwindigkeit fossiler Rohstoffe die Regenerationsgeschwindigkeit übersteigt.

Was wollen Sie dagegen tun?
Rampf: Langfristig wollen wir Kunststoffe aus Polyurethan und Epoxidharz auch auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen entwickeln und damit in der Herstellung von Reaktionsharzen unabhängiger von fossilen Rohstoffen werden. Die Regenerationsgeschwindigkeit bioorganischer Rohstoffe ist größer als die Verbrauchsgeschwindigkeit. Jährlich wachsen 170 Milliarden Tonnen Biomasse nach - im Vergleich dazu werden davon lediglich 6 Milliarden Tonnen genutzt.

 

Rampf_tooling_board-flakes_13x10 PET-Flakes werden in Modellbaumaterialien verarbeitet.

 

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?
Schamel: Ich war immer der Meinung, dass „Nachhaltigkeit" Wiederverwertung bedeutet. Nach dem Brundtland-Bericht aus dem Jahr 1987 wird Nachhaltigkeit verstanden als „Entwicklung, die die Bedürfnisse heutiger Generationen befriedigt ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können". Nachhaltigkeit versteht sich somit als übergeordnetes Prinzip, das einen verantwortungsvollen Umgang mit allen Ressourcen fordert - egal ob wirtschaftlich, sozial oder ökologisch. Doch um dieses Prinzip fest im privaten wie im öffentlichen Leben zu verankern, ist ein Umdenken gefordert sowie das ständige Hinterfragen eingefahrener Handlungsweisen.

 

Rampf_sound_instrumente_blockmaterial_13x10 Die Schaffung eines Rampf Corporate Sounds aus Kunstharzen von
Rampf ist Teil des Innovationsmanagements.

 

Rampf: Nachhaltigkeit betrachte ich als etwas Einheitliches, angefangen beim Bau unserer Firmengebäude, wo wir Geothermie, Photovoltaik und intelligente Lichttechnik einsetzen. Mit diesen Anforderungen wurde das Rampf Innovationszentrum gebaut und bei einem Erweiterungsbau eines unserer Tochterunternehmen, der Rampf Dosiertechnik, investieren wir erneut in alternative Formen der Energiegewinnung und -nutzung. Aber auch das Thema „Recycling" wird zunehmend wichtiger. Mit Rampf Ecosystems widmet sich ein Geschäftsbereich der Rampf-Gruppe ausschließlich dem Recycling von Polyurethan sowie der Erforschung von nachwachsenden Rohstoffen wie etwa Rapsöl, Milchzucker, Fett und Glycerin. Durch ein spezielles chemisches Verfahren wie Glykolyse, Acidolyse oder Polyolyse lassen sich Polyurethan-Produktionsreststoffe und „post-consumer" PET aus Verpackungen zu (Recycling-)Polyolen aufbereiten. Die sogenannten Recypole fließen erneut in die Herstellung von Polyurethan ein. Unsere Kunden sind die Firmen der Rampf-Gruppe, aber auch andere Systemhäuser. Für den Recyclingprozess hat Rampf in eine weitere Anlage für thermische Glykolyse investiert, die zu der Größten ihrer Art in Europa zählt. Damit verdoppelten wir unsere jährlichen Kapazitäten auf rund 5.000 Tonnen.

 

rampf_Flatterventil_Bioschaum_13x10 Lüftungsgitter, abgedichtet mit Bioschaum von Rampf Giessharze.

 

Was geschieht mit den Recypolen?
Rampf: Bei der Rampf
Tooling fließen Recypole wiederum in die Herstellung hochwertiger Materialien für den Modell- und Formenbau ein und dies bereits seit rund 15 Jahren. Damit schließen wir vor Ort den Kreislauf aus PUR-Verarbeitung, Reststoffverwertung und erneutem Einsatz der gewonnenen Polyole.

 

rampf_Elektroverguss_Bio Zwei-Komponenten-BIO-Elektro-Verguss aus Polyurethan von Rampf
Giessharze.

 

Da steckt aber noch Entwicklungsarbeit dahinter oder können Sie bereits morgen Biokunststoffe liefern?
Schamel: Wir bauen einen Lieferantenstamm für die Herstellung unserer A-Komponente auf, deren Rohstoffe zu einem großen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Auf dieser Basis können wir herkömmliche Rezepturen bio-basiert formulieren und technisch interessante Eigenschaften von Bio-Reaktionsharzen ent­wickeln. Langfristig erweitern wir damit unsere Produktpalette an Kunstharzen und schlagen einen neuen Pfad ein. Zurück zu Ihrer Frage: Wenn es schnell gehen soll, greifen wir auf bestehende Systeme zurück. Wenn ein System neu entwickelt werden soll, entwickeln wir eben neu. Bei der Rampf Ecosystems werden Biorohstoffe synthetisiert - Rampf Giessharze entwickelt und modifiziert daraus die Rezeptur. Bei Serienprodukten arbeiten wir mit Lieferanten zusammen, die biobasierende Rohstoffe anbieten. Wir sind hier für jede Entwicklung offen und haben die Experten und die Kapazitäten, um nachhaltige Produkte herzustellen.

Wie ist die Resonanz auf die nachhaltige Entwicklung bei RAMPF?

Schamel: Sehr gut. Namhafte Automobilisten kommen auf uns zu und fragen konkrete Projekte für das Auto im Jahre 2014 ab. Im Gespräch mit Entscheidern und Konstrukteuren spüren wir das Interesse, Neuerungen mit Kunststoff auszuprobieren. Und das betrifft vor allem den Einsatz von Materialien aus der Natur, die nicht an die Lebensmittelkette gebunden sind, wie zum Beispiel Holz, Naturfasern wie Leinen oder pflanzliche Öle.

Was haben Automobilhersteller vor?
Schamel: Automobilisten treten an uns heran, mit dem Ziel, existierende Projekte und Bauteile mit einem Anteil von nachwachsenden Rohstoffen zu verändern. Nehmen wir zum Beispiel die Heckablagen beim Auto. Hier haben wir ein System formuliert, das aus Naturfaseranteilen besteht, die das Gewicht der Heckablage um 30-35 Prozent reduzieren. Für die Abdichtung von Türmodulen haben wir einen biobasierten Dichtungsschaum entwickelt. Die Herausforderung bestand darin, ein Biopolyurethan mit einer geringen Wasseraufnahme zu entwickeln. Auch im Interieurbereich setzen wir Ideen um. Der Trend geht in Richtung einer Innenverkleidung unter Einsatz nachhaltiger Materialien bei gleicher Oberflächenqualität.

Wo liegen die Herausforderungen für Sie als Kunststoffspezialist und für den Endkunden?
Schamel: Mit guten Rohstofflieferanten zusammenzuarbeiten und Projekte mit Kunden umzusetzen, die Manpower einbringen und sich auch an den Versuchskosten beteiligen, ohne zu wissen, was dabei herauskommt.

Ist das nicht etwas gewagt?
Schamel: Unser Motto lautet hier: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt." Ein Auto, das aus Recyclingmaterialien besteht, lässt sich später auch leichter wieder zerlegen. Jetzt ist genau die Zeit, diesem Trend zu folgen.
 
Sind im Bereich der nachwachsenden Rohstoffe bereits alle Grundlagen erforscht oder gibt es hier noch interessante Alternativen?
Dürsen: Durch die Eingliederung der Rampf Eco­systems hat Rampf die Mö­glichkeit geschaffen, Pro­duktionsreste aus Polyurethan einem stofflichen Recycling zuzuführen und die dabei gewonnenen Recycling-Polyole wieder in den Produktionsprozess zurückzuführen. Die bei Rampf Ecosystems installierten Anlagen können auch zur Herstellung von Biopolyolen aus Pflanzenölen eingesetzt werden. Dieses Know-how soll zukünftig dafür eingesetzt werden, Lignin als weitere Rohstoffquelle zu nutzen.

 

Können Sie das bitte näher beschreiben?
Dürsen: Seit Jahren wird Lig­nin bereits in der Literatur als große, leider nur wenig genutzte Rohstoffquelle beschrieben. Dabei steht Lignin als einer der Hauptbestandteile des Holzes und anderer Pflanzen in riesigen Mengen zur Verfügung. Auch die zukünftig zu erwartende Verknappung von aromatenreichen Rohstoffquellen könnte durch Lignin ausgeglichen werden. Ein Hauptgrund für die geringe Nutzung des Lignins lag bisher in der fehlenden Prozesskette zur Aufarbeitung, Fraktionierung, Modifizierung und Derivatisierung des Ligninanteils des Holzes. An dieser Stelle soll ein Verbundprojekt der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) ansetzen, an dem neben Rampf Giess­harze und Rampf Ecosystems zahlreiche namhafte Firmen und Universitäten aus ganz Europa beteiligt sind.

Welches Ziel hat das Verbundprojekt?

Dürsen: Sollte es möglich sein, diese Prozesskette nach erfolgreichem Abschluss dieses Verbundvorhabens zu etablieren, könnte die stoffliche Nutzung des Lignins deutlich gesteigert werden. So erwarten wir, dass etliche Rohstoffe für die Herstellung von Polyurethanen und Epoxiden, die bisher aus Erdöl hergestellt werden auch aus Lignin zu synthetisieren sind. Positiv ist hier außerdem zu bemerken, dass Lignin als kostengünstiges Nebenprodukt in vielen Holzverarbeitungsprozessen anfällt und nicht im Nahrungsmittelbereich eingesetzt wird. Somit ist auch zu erwarten, dass die stoffliche Nutzung der Rohstoffquelle Lignin gesellschaftlich unterstützt werden wird.

 

Wie kommt Nachhaltigkeit bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an?
Rampf: Wir haben eine innovative Unternehmenskultur und sorgen im Unternehmen immer wieder für Überraschungsmomente. Bei der Veranstaltungsreihe „Innovationsstars auf der roten Couch", die 2011 ins Leben gerufen wurde, treffen langjährige und jüngste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen wie Produktion, Labor, Verwaltung und Vertrieb auf Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Sport, Kultur und Gesellschaft. . Die Gäste, die auf der roten Couch Platz nehmen, haben mutig erfolgreiche und außergewöhnliche Wege eingeschlagen und berichten darüber. Mit Projekten dieser Art fördern wir die Kommunikation unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nachhaltig.

Schamel: Auch im Bereich der Mitarbeiterschulung nehmen wir eine Vorbildfunktion im Mittelstand ein. Unsere Mitarbeiter lernen den Einsatz von Kreativitätstechniken in der chemischen Industrie.

Was vermitteln die Kreativitätstechniken?

Schamel: Wir lernen voneinander, von unseren Kunden, von der Natur und von der Gesellschaft. Und um es mal salopp zu sagen: Ideen entstehen in innovativen Netzwerken. Deshalb organisieren wir Fachsymposien, bei denen Referenten unterschiedlicher Firmen und Organisationen zusammentreffen. Es bedarf einer Kultur, um sich auszutauschen.
 
Wie sieht die Zukunft von Rampf in der Herstellung biobasierter Kunststoffe aus?
Rampf: PU- und Epoxidharze lassen sich zu einem großen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen. Wir sind mittendrin in der Nische der 2-K-Anwendungen und haben die Kapazitäten und die Experten, um unsere Rolle in der nachhaltigen Entwicklung von Kunststoffen auszubauen. Als Spezialist am Markt im Bereich der Reaktionsharze und Maschinensysteme können wir uns auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen. Die letzte Frage beim Kunden, ob wir auch „in Bio" herstellen, beantworten wir gern.

 


Daten zur stofflichen Nutzung von Pflanzenölen für Polyurethane:
Die stoffliche Nutzung von Pflanzenölen in Polyurethansystemen lag im Jahr 2007 in Deutschland bei lediglich 70 000 t. Verglichen mit der Gesamtnutzungsmenge des in diesem Zeitraum in Deutschland genutzten Pflanzenöls von circa 6,5 Mio. t macht der Anteil des Pflanzenöls in PU-Systemen ca. 1 % aus.

Quelle: Stoffliche Nutzung von Pflanzenöl in Deutschland (Aufkommen und Verwendung 2007). In: Entwicklung von Förderinstrumenten für die stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland (Kurzfassung). Volumen, Struktur, Substitutionspotenziale, Konkurrenzsituation und Besonderheiten der stofflichen Nutzung sowie Entwicklung von Förderinstrumenten, nova-Institut Mai 2010.

Anteil der Anbaufläche zur Deckung des europäischen Bedarfs an Kunststoffen:
Gegenwärtig werden etwa 75 000 Hektar Anbaufläche zur Deckung des europäischen Bedarfs an Bio-Kunststoffen benötigt. Dies entspricht weniger als 0,05 % der insgesamt innerhalb der EU 27 vorhandenen landwirtschaftlichen Anbauflächen. „Unter der Annahme eines weiterhin hohen und möglicherweise auch politisch geförderten Wachstums des Marktes für Biokunststoffe könnte beim gegenwärtigen Stand der Technologie bis zum Jahr 2020 ein Marktvolumen von bis zu 2,5 Millionen Tonnen erreicht werden. Dies entspricht höchstens 1,25 Millionen Hektar bzw. etwa 0,7 Prozent der derzeit in Europa verfügbaren landwirtschaftlichen Anbaufläche."

Quelle: FAQ Mai 2011: Häufig gestellte Fragen zur Nutzung von landwirtschaftlichen Ressourcen für die Produktion von Biokunststoffen, european bioplastics.

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