Viva VIP!

Alexander Voelkel und sein Unternehmen Voelkel Industrie Produkte (VIP) sind seit zehn Jahren mit einer Beschichtungstechnologie auf Erfolgskurs: Polyurea. Seit einem Jahr arbeitet Voelkel mit der BASF zusammen, um seinen Anspruch auf nachhaltige Qualität abzusichern.

IMG_0374Eine Verbindung zwischen der legendären Spielerstadt Las Vegas und Beschichtungen aus Polyurea lässt sich nicht einfach herstellen. Alexander Voelkel hat es dennoch geschafft: Statt in der amerikanischen Vergnügungsmetropole sein Geld zu verspielen, fand er die Geschäftsidee seines Lebens. Dort, bei der Baufachmesse „World of Concrete“, „stolperte“ er vor etwa zehn Jahren über Polyurea, wie er heute lächelnd sagt. „Während die etwa 30 Jahre alte Beschichtungstechnologie in den USA damals schon weit verbreitet war, kam sie in Europa und anderen Regionen noch kaum zum Einsatz“, so Voelkel.
Das war für den Münchner zunächst schwer verständlich, denn die Technologie kombiniert viele positive Eigenschaften: Die im Sprühverfahren aufgebrachte zweikomponentige Beschichtung härtet sehr schnell aus, auch bei tiefen Temperaturen und hoher Umgebungsfeuchtigkeit. Gleichzeitig ist sie sehr elastisch und äußerst beständig gegen mechanische und chemische Beanspruchungen. Ihre hygienischen Eigenschaften eröffnen Polyurea-Beschichtungen Anwendungen im Lebensmittelbereich, wo oft besonders wirksame und damit aggressive Desinfektionsflüssigkeiten genutzt werden. Beispiele sind Produktions-, Kühl- und Lagerhallen in der Getränke- und Zuckerindustrie, Tanks von Meerwasserentsalzungs- und Trinkwasseraufbereitungsanlagen sowie Wasser- und Abwasserrohre.
Nach seiner Rückkehr ins heimatliche München hörte Voelkel sich um und fand bald den Grund für die Zurückhaltung der Anwender. „Die Technologie war zwar bekannt, hatte aber einen schlechten Ruf: Verarbeitungsmängel hatten zu Fehlanwendungen geführt und das sprach sich schnell herum“, sagte er. Genau hier, in einer professionellen einwandfreien Verarbeitung, sah er die Chance für seine Firma Voelkel Industrie Produkte, kurz VIP. 1983 von Voelkels Vater als Handelsunternehmen für zweikomponentige Klebstoffe gegründet, formulierte VIP bald ein eigenes Sortiment an Klebstoffen speziell für die Automobilindustrie, baute ab den 90er Jahren sogar eine eigene Marke auf.

Start in der Wachstumsregion Mittlerer Osten
EntsalzungsanlageNach einigen Beschichtungstests stand Voelkel schon im „Jahr Eins“ nach Las Vegas mit seinem VIP-Team auf einer Messe, um die Polyurea-Beschichtungstechnologie zu präsentieren. Ausgesucht hatte er sich „The Big Five“, die Internationale Bau- und Konstruktionsmesse in Dubai. In dem für die Bauindustrie besonders wachstumsstarken Mittleren Osten ist die Messe der größte und wichtigste Branchentreff. Voelkel: „Auf dem Stand kamen wir mit Händlern und Verarbeitern aus der Golfregion ins Gespräch, erhielten die ersten größeren Aufträge und legten so die Grundlage für unser heutiges regionales Netzwerk.“
VW_Amarok_Hannover_06042013Mit jedem Beschichtungsauftrag verbesserte das VIP-Team sein anwendungstechnisches Know-how und baute nach und nach ein Portfolio auf. „Polyurea ist kein Produkt, sondern eine anspruchsvolle Technologie, mit der sich die unterschiedlichsten Beschichtungen formulieren lassen“, so Voelkel. Derzeit bietet VIP etwa 20 Formulierungen für verschiedene Beschichtungssysteme, kann bei Bedarf aber auch individuelle Systeme formulieren und verarbeiten.
Neben der Auswahl des für die spezifische Beschichtungsaufgabe passenden Polyurea-Systems sind auch die sorgfältige Vorbehandlung des Untergrunds und die richtige Maschinentechnik wichtig: Druck und Temperatur müssen auf das zweikomponentige System abgestimmt sein, da sich sonst die gewünschten Eigenschaften nicht einstellen. Da Voelkel nicht in den Maschinenbau einsteigen will, vernetzte er sich eng mit bestimmten Maschinenherstellern, die ihrerseits ihr Portfolio um die Polyurea-Spezialmaschinen erweiterten. Einzige Ausnahme ist eine Maschine für sogenannte Niederdrucksysteme, die VIP derzeit entwickelt: „Wir wollen ein Paket aus einem besonders verarbeitungsfreundlichen System inklusive Maschine anbieten“, so Voelkel und ergänzte: „Wir wollen unsere Kunden damit ans Thema Polyurea heranführen, die so ihr angestammtes Beschichtungsgeschäft ausbauen können.“
Ähnlich wie beim Maschinenbau geht VIP bei der Applikation vor: „Wir haben kein Sprühteam, beraten aber unsere Kunden vor Ort und geben unsere Expertise weiter“, so Voelkel. In kontinuierlich in verschiedenen Regionen durchgeführten Workshops und Schulungen lernen Kunden den Umgang mit dem Sprühkunststoff, machen sich gleichzeitig mit neuen Systemen und Anwendungen vertraut.

Erfolg mit Qualität „Made in Germany“
P_Spray„Wir arbeiten gezielt mit qualifizierten und geschulten Partnern, um die zuverlässig hohe Qualität des fertigen Produkts sicherzustellen“, berichtete Voelkel, und weiter: „Das verstehen unsere Kunden unter ,Made in Germany‘ und deshalb ist ‚Germany‘ neuerdings auch Bestandteil unseres Firmenlogos.“ Mit diesem Anspruch und kontinuierlich gewachsenen Bedarfsmengen an den Komponenten für die Systeme kam VIP vor einem Jahr mit der BASF ins Geschäft. Der BASF-Unternehmensbereich Intermediates liefert an VIP mit Baxxodur eine wichtige Komponente zur Formulierung von Polyurea-Systemen, die VIP gezielt für den Einsatz im besonders anspruchsvollen Bereich Trinkwasser vermarktet. „Ich finde es sehr spannend ein so junges dynamisches Unternehmen wie VIP zu unterstützen“, sagte Thomas Steegmüller von der BASF Österreich, der VIP betreut. Die ersten Kontakte zu dem Chemieunternehmen entwickelten sich bereits bei den ersten VIP-Projekten in Dubai. „Weil die BASF global aufgestellt ist, können wir das rasante Wachstum von VIP überall auf der Welt mit hoher Produkt- und Servicequalität begleiten“, ergänzte Steegmüller.

Neben dem Mittleren Osten haben sich die Münchner in den wenigen Jahren ihrer Beschäftigung mit Polyurea verschiedene Auslandsmärkte erschlossen. So betreibt VIP zwei Gemeinschaftsunternehmen in Indien und Hongkong, agiert mit einem Tochterunternehmen  aus Dubai und verfügt über Vertriebspartner in anderen asiatischen Ländern. Eine VIP-Lizenzfertigung in Südafrika nimmt in nächster Zeit ihren Betrieb auf, daneben unterhält VIP intensive Kontakte mit möglichen Partnern in Süd- und Nordamerika.
Voelkel sieht sein Unternehmen bei Polyurea in Europa heute in führender Position. „Wir unterscheiden uns vom Wettbewerb durch unser anwendungsorientiertes und innovatives System-Portfolio sowie unsere Expertise bei der Verarbeitung“, sagte er und ergänzte: „Dazu kommt, dass wir schnell und flexibel sind.“ Voraussetzungen dafür sind die vielen zahlreichen Abprüfungen, Zulassungen und Zertifikate, von denen VIP-Produkte in bestimmten Anwendungen begleitet werden, so dass aufwändige Tests entfallen können. Derzeit arbeitet VIP an der Brandschutzzulassung für den Tunnelbereich speziell in Skandinavien.
Gleichzeitig hat Voelkel wieder einmal die Verbindung von Polyurea mit einer Stadt auf dem Plan. Stattfinden soll sie – nicht ganz so exotisch wie einst in Las Vegas – in München. „Wir legen Administration, Lager und Produktion von bisher drei auf einen Standort zusammen, damit wir für das rasante Wachstum noch besser gerüstet sind.“

 


Polyurea (Polyharnstoff) ist ein Elastomer, das durch die Mischung von zwei reaktiven Komponenten entsteht: eine Isocyanat-Komponente (A-Komponente) und einer Aminkomponente (B-Komponente). Je nach gewünschtem Eigenschaftsprofil der fertigen Beschichtung kommen noch Zusatzstoffe wie Pigmente, Entschäumungs- und Flammschutzmittel hinzu.

Die Voelkel Industrie Produkte (VIP) mit Sitz in München erwirtschaftete im Jahr 2012 mit etwa 40 Mitarbeitern weltweit etwa 15 Millionen Euro Umsatz. Mit jeweils etwa 40 % verteilt sich der Umsatz auf Europa und den Mittleren Osten, gefolgt vom asiatischen Raum mit etwa 20 %.

Die BASF entwickelt, produziert und vermarktet die für Polyurea-Beschichtungen notwendigen Komponenten. Dazu zählen Isocyanate ebenso wie eine breite Palette von aminbasierten Härtern und Kettenverlängerern unter der Marke Baxxodur. Verschiedene Zusatzstoffe runden das Angebot ab.