Eine Folge der Ereignisse:

„... und das Schicksal nahm seinen Lauf"Dudley J Primeaux II, PCS, CCI, Primeaux Associates LLC, Elgin, TX, USA

Vielen von Ihnen mag das nicht klar sein, aber ich habe eine einzigartige Position in der Polyureabeschichtungsindustrie. Ich habe bereits im reinen Forschungs- und Entwicklungsbereich, im technischen Vertrieb und Marketing von Polyurea sowie in der Materialentwicklung, als Zulieferer, Berater und als Inspektor und Trainer gearbeitet. Dieser Erfahrungsreichtum hat es mir ermöglicht um die ganze Welt zu reisen und Zeuge zahlreicher Beschichtungsarbeiten zu werden. Unlängst wurde ich kontaktiert um ein Projekt in Honduras, lächerliche zwei Stunden Flug von meinem Zuhause entfernt, zu unterstützen und beaufsichtigen. Ich war auf vielen Baustellen und dachte, dass ich alles gesehen habe, aber was dann kam, übertraf alles.

Eine sehr interessante Anwendung für die Polyureatechnik ist eine Schutzbeschichtung auf geotextilem Gewebe. Dies wurde bereits für zahlreiche sekundäre und primäre Schutzauskleidungen mit großem Erfolg eingesetzt. Ein spezieller Arbeitsbereich ist die Beschichtung von gewebten Polyethylen (TenCate Geotube Technologie) zur Bodenverfestigung / Rekultivierung bzw. Sanierung der Infrastruktur. Dabei wird das Polyurea auf die Oberfläche der Geotubes aufgesprüht, um das thermoplastische System vor der Schädigung durch Sonnenlicht und Einstiche zu schützen sowie die gewebte Struktur zu versiegeln.

Nach der Verwüstung durch den Hurrikan Katrina 2005, war die Küstenstadt von Grand Isle, Louisiana, komplett weggespült. Der Wiederaufbau der Region bedeutete auch den Wiederaufbau der schützenden Sanddünen entlang der Flachküste. Nach einer Spezifikation des US Army Corps of Engineers wurden sandgefüllte, polyurea-beschichtete Geotubes entlang der Küste platziert, um die schützende Sanddüne entlang der Küstenlinie wieder aufzubauen. Diese zieht sich über eine Länge von ca. 9,6 km (~6 Meilen). Die Geotubes wurden zuerst von Osborn Contract Services of Greer, South Carolina, mit dem aromatischen Polyurea-Sprühelastomersystem FX-640 von Fox Industries, Inc. sandfarben beschichtet. Anschließend wurden sie platziert und mit Sandschlamm gefüllt und schon hatte das Gebiet eine hübsche neue Küstenlinie aus Sanddünen zum Schutz.

 

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Lazarus Services S.A. in Honduras kontaktierte mich, um bei einem ähnlichen Aufbau mit dem Polyureasystem FX-640 über TenCate-Geotubes im Kopfschutzbereich einer neuen Brückenkonstruktion zu helfen. Die Geotubes waren bereits platziert, mit Sand gefüllt und mussten nur noch mit Polyurea zum Schutz beschichtet werden. So reiste ich nach Tegucigalpa, Honduras, was, wie ich später lernte, nicht gerade der sicherste Flughafen beim Landen ist. Ich hatte bereits ein einschneidendes Flugerlebnis (Aalborg, Denmark, SAS 1209, September 2007) und ein weiteres fehlt mir nicht auf meiner Liste.

Ich wurde am Flughafen erwartet und wir starteten zur 3-stündigen Fahrt durchs Grenzland, nahe bei El Salvador, zum Dschungel von Südhonduras.  Der Großteil der Strecke führte über groben Schotter und schmutzige Straßen.  Und wie der Zufall es wollte, hatten wir prompt einen platten Reifen! Das wurde repariert und die Reise ging weiter. Ich ließ noch einen Spruch los, dass ich doch hoffe, keinen weiteren Platten zu kriegen, denn jetzt wäre auch kein Reserverad mehr da!

So erreichten wir unser Ziel nahe einem Ort namens Pozo Zarco Cubolero, was - wie man mir erklärte - so etwas wie „Heißwassermonster" bedeutet. Da stand die neue Graco-Reactor-E-PX2 Sprühmaschine, im Freien ohne Schutz eines Trailers oder Containers. Das wird später noch von Bedeutung sein. Also begannen wir die neue Anlage zusammenzubauen. Habe ich erwähnt, dass das Werkzeug purer Minimalismus war und sowas wie Ersatzteile gab es nicht?! Da es bereits spät war, wurde beschlossen am nächsten Morgen mit der Arbeit zu beginnen. Und dann kamen die Regenfälle zusammen mit Gewitter.  Jetzt sollten sie eine ungefähre Vorstellung der Lage haben, schmutzig-schlammige Straßen, Dschungel, kein Licht usw.

 

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Nach einer einstündigen Rückfahrt in die „Zivilisation" erreichten wir das Hotel. Aber alles war dunkel, da durch den Sturm der Strom ausgefallen war. Daher wurde für das Zimmer eine Kerze zur Verfügung gestellt. Nach einem kalten Bier und einer leckeren Mahlzeit - nicht sicher, ob es Carne Asada (Rindfleisch) oder Carne Iguana (Leguanfleisch) - vorher sah ich Kinder am Straßenrand Leguane verkaufen) war, wollte ich nur noch ins Bett. Nach einer Dusche unter einem kaum tröpfelnden Wasserhahn - und ich war glücklich, wenigstens das zu haben - kletterte ich in mein Bett und fiel, mit einem musikalischen Ständchen der kleinen Geckos, die mit mir das Zimmer teilten, in den Schlaf.

Am nächsten Morgen brachen wir zur einstündigen Hinfahrt auf der Schotterstraße auf, um die Sprüharbeiten durchzuführen. Nach dem Zusammenbau der Anlage wurde diese komplett aufgeheizt, nur mit einem gleichmäßigen Druck gab es ein paar Probleme. Da dies für die Messanzeige nicht relevant war, wurde ein kleiner Bypass zur Kontrolleinheit gelegt, um trotzdem Sprühen zu können. Schließlich schafften wir es, die erste Seite der Brückenköpfe in etwa 1½ Stunden fertigzustellen und alles sah perfekt aus. Die „Oberchefs" waren ebenfalls anwesend und freuten sich, dass sich das Polyurea so nett sprühen ließ.

 

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Da die Temperaturen inzwischen auf 45 °C, mit einem Hitzeindex von 55-60 °C, gestiegen waren, brauchten wir eine Pause. Immerhin ist das die ansonsten übliche Materialtemperatur für die Sprühverarbeitung!! Nach einer Ruhepause unter einem kleinen Bäumchen, bei der ich jede Menge Wasser trank, kehrten wir zur Maschine zurück, um noch ein paar finale Detailarbeiten durchzuführen und dann auf die andere Seite des Flusses zu wechseln. Die Anlage funktionierte nicht, also ging die Fehlersuche los. Erwähnte ich, dass es heiß war? Und die Anlage stand in der prallen Sonne! Zumindest mussten wir uns um die Vorbehandlung der Materialfässer keine Gedanken machen.

Da ich während der Sprüharbeiten einen Sprühstrumpf als Haarschutz trage, musste ich diesen wegen der großen Hitze abnehmen und in den Schatten des einzelnen Baums legen. Während ich mich mit der Maschine beschäftigte, bemerkte ich eine Gruppe Brahman-Rinder, nichts Ungewöhnliches in der Gegend, und sie näherten sich exakt dem einzigen Baum in dieser Gegend, wo meine gesamte Ausrüstung lag. Dann registrierte ich, dass eins der Rinder an meinem Sprühstrumpf kaute und anschließend damit durchbrannte!

Nun gut, die Brahmans waren nicht unsere einzige Unterhaltung, es gab auch noch verschiedene Pferde, Schweine und Ziegen, die den Weg rauf und runter kamen. Manchmal wurden sie von Caballeros mit großen, scharfen Macheten begleitet. Gelegentlich tauchten auch Trucks auf, einmal sogar mit einer Ladung Polizisten hinten drauf, ein anderes Mal mit einer paramilitärischen Gruppe, die Patrouille lief. Ich hielt den Mund und arbeitete wie ein Einheimischer, um nicht aufzufallen. Oh, habe ich die kleinen Ameisen erwähnt, die beschlossen hatten ihr neues Zuhause in meiner Akten- und Vorratstasche zu finden?

Nach ungefähr vier Stunden Arbeit an der Maschine, in dieser Hitze - unter dieser Sonne, beschlossen wir Feierabend zu machen und fuhren zurück zum Hotel. Hauptsächlich wegen des Regens und des Gewitters, die sich beide bereits wieder ankündigten. Am vorigen Tag hat ein Blitzschlag einen Baum getroffen und zwei Kühe erschlagen. Jetzt, ein weiteres leckeres Mahl, diesmal regionale Camerons (Shrimps), ein kaltes einheimisches Bier, oder auch zwei, die berühmte Tröpfeldusche und ab ins Bett.

Am nächsten Morgen ging‘s zurück zur Baustelle, um das Maschinenproblem zu lösen. Während wir an der Anlage arbeiteten, wurde die Geotubeoberfläche für die folgenden Sprüharbeiten gereinigt. Und dann kam einer der Jungs auf mich zu und fragte: „Hast du eine Schaufel mit?" Eine was bitte? Nein, ich habe keine Schaufel mitgebracht, auch keinen Besen oder ein Gewehr für solche Fälle. Wofür braucht er die Schaufel, um mich oder die kaputte Maschine zu vergraben? (Der einfache Grund war: Er brauchte die Schaufel, um den Sprühbereich vom Staub und Dreck zu säubern - aber das hat er nicht dazu gesagt!)
Also, was wir schließlich herausfanden - es war ein beschädigter Transistor, wir konnten die Arbeit an der Brückenauflage auf der anderen Flussseite nicht fertigstellen. Die Sprühanlage musste zur Reparatur zurück in die Werkstatt (was fünf Stunden Fahrt bedeutete), da ich keine Motorsteuerungskarte zur Reserve mitgebracht habe. Die gesamte Maschinenanlage wurde auf die Ladefläche des kleinen Trucks gepackt und wir starteten unsere Reise aus dem Dschungel. Die Crew setzte mich an einer Kreuzung ab, wo ich meine Rückfahrtgelegenheit nach Tegucigalpa traf. Kleines Problem am Rande: die Batterie war tot und Überbrückungskabel hatte keiner mit. Nach ein paar Stunden Arbeit und ein paar Verlängerungskabeln konnten wir starten. Habe ich erwähnt, dass es da heiß war?

Wir stoppten, um einen Happen zu essen, und dann kam der Regen wieder. Nun, es war nicht wirklich Regen, es war mehr eine Flut zusammen mit massivem Gewitter. Nach einer sehr langsamen Fahrt, wir konnten nichts sehen, erreichten wir einen Pass und das Wetter klarte auf. Endlich wieder normales Fahren und dann passierte es. Wir hatten wieder eine Reifenpanne - Sie erinnern sich? - wir haben kein Reserverad mehr! Nach einiger Zeit hatten wir auch dieses Problem gelöst und ich erreichte die Stadt rechtzeitig für meinen Heimflug am nächsten Morgen. Der darauf folgende Tag verlief ziemlich ruhig und ich flog zurück nach Texas.

Aber einen Tag nach meiner Rückkehr musste ich nach Detroit, Michigan, für ein spezielles militärisches Projekt. Direkt nach meiner Ankunft erhielt ich eine E-Mail aus Honduras mit der Überschrift „Überraschende Folge der Ereignisse mit Geotubes". Ich war völlig verdutzt, denn was ich da las machte keinen Sinn - bis ich die Bilderserie öffnete. Diese zeigte eine Fotosequenz des Sprühvorgangs und alles war gut - und dann sah ich das letzte Foto ...

 

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Unglaublich, die nagelneue Betonbrücke war verschwunden! Die Regenfälle waren so stark, dass die Gegend überflutet und die 100 Meter breite Brücke von den Wassermassen weggerissen wurde. Aber, die Polyurea-beschichteten Geotubes standen immer noch da!

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