Ein Flughafen als Bausatz

Jede Wintersaison wieder kämpft der Genfer Flughafen mit einem Ansturm von Skiurlaubern. Zur Entlastung steht nun eine zeltähnliche Konstruktion bereit - das erste schnell auf- und abbaubare Terminal der Welt.

Eine Woche zum Aufbau, eine Woche zum Abbau: Wann immer auf einem Flughafen ein Kapazitätsengpass entsteht, können bald mobile Terminals eingesetzt werden. Die 310 Quadratmeter große Halle ist mit genügend Geräten ausgestattet, um bis zu 200 Passagiere innerhalb von zwei Stunden abfertigen zu können. Das entspricht in etwa den Sitzplätzen von Flugzeugen des Typs Airbus 320 oder Boeing 737. Das mobile Terminal ist modular aufgebaut: In der Basisversion besteht es aus einer Abflugs- und einer Ankunftseinheit, kann aber beliebig erweitert werden. Auf einem Stahlbaugerüst wird eine dreischichtige Textilhülle aufgezogen und dann aufgeblasen. In Genf ist sie weiß, der Flughafen kann sie aber auch als Werbefläche nutzen. Das Raumklima ist wie bei einem fixen Gebäude und keineswegs wie in einem Zirkuszelt.

Dazu trägt auch der spezielle Boden des mobilen Terminals bei. Hierbei wird auf speziell gefertigten Holzriegelpaneelen eine leicht offenporige 3-mm-Kork-Gummigranulatplatte mit dem Hertec Pur 051 verklebt und anschließend eine 2 mm dicke Schicht mit Hertec 1150 FR im Gatterverfahren aufgesprüht. Die Elemente werden im Stoß verlegt, damit diese auch leicht montiert und demontiert werden können.
Die Aufgabenstellung war nicht nur. flexi­ble Bodenelemente zu fertigen, sondern auch eine druckbeständige, verschleißfeste, feuerhemmende und optisch ansprechende Oberfläche zu erzielen. Mit diesem Bodensystem, das weltweit zum ersten Mal eingesetzt wurde, konnte man alle Anforderungen voll und ganz erfüllen. Die Systeme Hertec Pur 051 und Hertec 1150 FR kommen aus dem Hause Hercules GmbH, die Durchführung erfolgte durch die Firma Carlo Caneppele, beide in Villach, Österreich ansässig.

Je nach Bedarf kann ein Check-in- und/oder Check-out-Schalter eingebaut werden, nebst Toiletten, Sicherheitszone etc. Die Quadratmeterzahl ist ebenfalls flexibel: Es können wie in Genf 310 aber auch 550 m² sein.

Infrastruktur für Städte - das hat Thomas Melcher während seines Architekturstudiums immer schon interessiert. Vor knapp drei Jahren hat sich der Villacher mit dem Start-up-Unternehmen TMT („The Mobile Terminal") und seiner bemerkenswerten Erfindung selbstständig gemacht. Jetzt hat sein Produkt Marktreife: Der erste mobile Flughafen-Terminal wurde in Genf in Betrieb genommen.

1,8 Millionen Euro kostet die Basisversion. Weil Genf hoch zufrieden ist, hat die Firma TMT Auftrags-Anfragen aus Süditalien, Indonesien und Österreich.
Der erste mobile Flughafenterminal made in Villach wird aus nur vier
Lkw-Ladungen zusammengebaut.

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