BASF und Dürr führen ganzheitliche Ökoeffizienz-Analyse von Lackierprozessen durch

P449-Eco-efficiency_WBLIntegrierte Prozesse ohne Füller oder mit Nass-in-Nass-Applikation zeigen bei der Autoserienlackierung deutliche Vorteile für Wirtschaft und Umwelt. Zudem kann durch moderne Anlagen- und Applikationstechnik die Ökoeffizienz deutlich gesteigert werden. Das geht aus der neuen umfangreichen Ökoeffizienz-Analyse von BASF und Dürr hervor, in der Anlagen- und Lacktechnik ganzheitlich untersucht wurden. Die Ergebnisse der Studie ermöglichen es den beiden Unternehmen, die Ökoeffizienz der Serienlackierung bei den Automobilherstellern individuell noch weiter zu verbessern.
Der Lackierprozess ist einer der energieintensivsten Prozessschritte bei der industriellen Automobilfertigung. Freigesetzte Lösemittel (VOC), Energieverbrauch oder CO2-Bilanz spielen eine bedeutende Rolle.

Die von BASF entwickelte Ökoeffizienz-Analyse setzt die Wirtschaftlichkeit von Produkten und Prozessen ins Verhältnis zu ihren Auswirkungen auf die Umwelt. Sie hilft der BASF und ihren Kunden zu entscheiden, welche Produkte und Prozesse sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch am besten geeignet sind. Dazu wird der gesamte Lebensweg eines Produkts oder Verfahrens ganzheitlich betrachtet, also von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung und Verwendung des Produkts bis zur Entsorgung. Die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Studie beziehen sich auf Lackierprozesse mit Füller, verkürzte Lackierprozesse als auch auf den Einsatz moderner Anlagen- und Applikationstechnik.  

Bei den Prozessen mit Füllern haben BASF und Dürr die wichtigsten industrieüblichen Varianten von lösemittelhaltigen und wasserbasierten Lacksystemen untersucht. Die Detailergebnisse zeigen, dass wasserbasierte Prozesse zwar mehr Energie (Klimatisierung der Lackierkabine sowie durch einen zusätzlichen Zwischentrockner) verbrauchen und dadurch mehr CO2-Emissionen verursachen als Prozesse mit lösemittelhaltigem Lack. Auf der anderen Seite ergibt sich ein deutlich geringerer Ausstoß von Lösemitteln (VOC) bei wasserbasierten Prozessen. Dadurch schneiden die wasserbasierten Prozesse bei der Bewertung ihrer Ökoeffizienz in der Studie insgesamt gut ab.P449-Eco-efficiency_IP

Bei den integrierten Prozessen handelt es sich um verkürzte Lackierprozesse. Hierbei entfällt der Füller und damit auch ein Einbrennschritt. In der Ökoeffizienz-Studie wurden sowohl lösemittelhaltige als auch wasserbasierte Integrierte Prozesse im Vergleich zu herkömmlichen Füllerprozessen bewertet. Die Ergebnisse lassen einen eindeutigen Vorteil beim Energieverbrauch, der CO2-Bilanz und dem VOC-Ausstoß bei den verkürzten Prozessen erkennen. So zeigt sich eine Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO2-Bilanz um jeweils circa 20 Prozent. Vergleicht man das Einsparpotenzial von VOC, ergibt sich eine signifikante Verbesserung zwischen Standard-Wasserprozessen und wasserbasierten Inte­grierten Prozessen. Insgesamt weisen die Integrierten Prozesse im Vergleich zu den konventionellen Füllerprozessen deshalb eine deutlich höhere Ökoeffizienz auf.

Durch verbesserte moderne Anlagen- und Applikationstechnik kann die Ökoeffizienz des Lackierprozesses deutlich verbessert werden. So ergeben sich deutliche Einsparpotentiale beim Energieverbrauch der Lackierkabinen, wenn diese in Umluftfahrweise betrieben werden. Mit dieser Technik wird es deutlich wirtschaftlicher, die Lösemittel aus der Kabinenluft durch Nachverbrennung zu entfernen. Dadurch kann die Ökoeffizienz auch bei lösemittelhaltigen Prozessen deutlich verbessert werden.


Bereits 1996 hat die BASF als eines der ersten Unternehmen der chemischen Industrie die ganzheitliche Methode der Ökoeffizienz-Analyse etabliert. Sie ist durch den TÜV und die NSF (National Sanitation Foundation) validiert. Diese Studie zur Ökoeffizienz von Lackierprozessen umfasst die Einsatzstoffe der Lacke, den Herstellprozess der Lacke mit den hierzu notwendigen Energien und Emissionen. Zudem werden alle Energien, Emissionen, Verbräuche und Kosten bei der Lackierung erfasst. Auf der anderen Seite ermittelt die Studie alle Kosten, die bei der Produktherstellung oder -verwendung anfallen. Diese ökonomische Analyse bildet zusammen mit der Gesamtumweltbelastung die Grundlage für Ökoeffizienz-Vergleiche. Die Studie bezieht sich nicht auf konkrete Werke. Vielmehr wird die Vergleichbarkeit der Werte dadurch ermöglicht, dass realistische Annahmen zu Verbräuchen, Emissionen und Kosten gemacht wurden. Eine Überprüfung vom Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein DEKRA bestätigt, dass die Studie entsprechend der ISO 14040 und 14044 durchgeführt wurde.