Amtliche Statistik durch systematischen Fehler dramatisch verzerrt

„Die amtliche Statistik des Statistischen Bundesamtes, die für die deutsche Polstermöbelindustrie im Jahr 2010 einen Umsatzrückgang von 13,45 Prozent ausweist, vergleicht in Wirklichkeit Äpfel mit Birnen." So beschrieb Dr. Lucas Heumann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Polstermöbelindustrie e.V. (VdDP), das Unverständnis der gesamten Branche über die offiziellen Veröffentlichungen zur wirtschaftlichen Situation der deutschen Polstermöbelindustrie.

Dr. Heumann warf einen Blick hinter die Zahlen und stellte fest, dass Ende 2009 zehn Unternehmen, die bis dahin der Polstermöbelindustrie statistisch zugeordnet wurden, in andere Kategorien eingestuft worden sind. Grund dafür waren Verschiebungen bei den faktischen Schwerpunkten der betreffenden Firmen. Hierdurch habe sich die Zahl der statistisch erfassten deutschen Polstermöbelhersteller am 31.12.2009 schlagartig von 48 auf 38 reduziert. In den amtlichen Statistiken für 2010 werden nunmehr die summierten Umsätze von 38 Unternehmen im Jahr 2010 verglichen mit denen von 48 im Jahr 2009. „Dass folglich zweistellige Umsatzrückgänge eingetreten sind, hat also nichts mit wirtschaftlicher Entwicklung zu tun, sondern mit offenbar ‚höherer‘ Mathematik", erläuterte Dr. Lucas Heumann. Wer ein tatsächliches Bild der Situation der Branche bekommen möchte, sollte nach Angaben des VdDP die Ergebnisse des verbandsinternen Auftragspanels verfolgen. Nach Angaben von Dr. Heumann nehmen hieran knapp 60 Prozent der Unternehmen der Branche teil. Erfasst werden die Auftragseingänge der deutschen Polstermöbelindustrie, gegliedert nach Inland und Ausland, sowohl in Stückzahlen als auch in Auftragswerten. Nach Angaben des Verbandes hat die Branche im Jahr 2010 faktisch stagniert. So haben sich die Auftragseingänge (kumuliert) nur geringfügig um 0,63 Prozent reduziert. Dabei betrug der Auftragsrückgang im Inland ein Prozent, bei Aufträgen aus dem Ausland war hingegen ein Zuwachs von 0,75 Prozent festzustellen. Nach Auffassung des VdDP „ist diese stagnierende Entwicklung im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die Branche aufgrund ihrer niedrigen Exportquote nicht wie andere Segmente der Möbelindustrie - beispielsweise die Küchenmöbelindustrie - an der deutlichen Erholung der Auslandsmärkte partizipierte." So erwirtschafte die deutsche Polstermöbelindustrie nur knapp 15 Prozent ihrer Umsätze im Ausland, während die Exportquote bei Küchenmöbelherstellern bei knapp 40 Prozent liege.

Eine internationalere Ausrichtung der Vertriebsaktivitäten sei daher das Gebot der Stunde. Hier hat die Branche bereits deutlich Zeichen gesetzt. Die Export­orientierung wird zunehmen. Hierauf ist die deutsche Polstermöbelindustrie dringend angewiesen, um erstens die einseitige Abhängigkeit vom Inlandsgeschäft zu reduzieren und zweitens von den überdurchschnittlichen Zuwachsraten in den weltweiten Wachstumsregionen zu profitieren.